Künftig werden im St. Josef Krankenhaus Wien ausgewählte chirurgische und gynäkologische Eingriffe roboter-assistiert durchgeführt. Als erstes Haus in Österreich wurde das gemeinnützige Ordensspital im 13. Wiener Gemeindebezirk mit der fünften und damit neuesten Generation der da Vinci Operationssysteme ausgestattet.
„Wir haben uns sehr bewusst für das neueste Modell des roboter-assistierten Operationssystems mit einigen sehr interessanten Zusatzfeatures entschieden. Das unterstreicht unseren Anspruch, unseren Patientinnen und Patienten Zugang zu modernster Medizintechnologie und höchster Behandlungsqualität zu bieten“, beschreibt der Ärztliche Direktor des St. Josef Krankenhauses Wien, Dr. Ulrich Schmidbauer.
Die roboter-assistierte Chirurgie ermöglicht besonders präzise und schonende Eingriffe. Für die Patient*innen bedeutet das weniger Schmerzen, raschere Erholung und insgesamt kürzere Krankenhausaufenthalte. „Dass wir als erstes Spital in Österreich die fünfte Generation des da Vinci Systems einsetzen können, freut mich persönlich ganz besonders“, so Schmidbauer.
Ausgewählte Einsatzgebiete
Pro Jahr sind an die 400 roboter-assistierte Eingriffe geplant, die meisten davon in der Chirurgie, rund ein Viertel im Bereich Gynäkologie. Die Einführung erfolgt in beiden Fachbereichen bewusst stufenweise: Nach standardisierten Eingriffen wird das Spektrum schrittweise auf komplexere Operationen erweitert. „Wir starten zunächst mit einfachen laparokopischen Eingriffen wie Gallenblasen- oder Leistenbruch-Operationen. Später kommen aufwendigere Eingriffe im Verdauungstrakt, wie beispielsweise bei Speiseröhren- und Darmkrebs oder auch bei komplexen Bauchwandbrüchen dazu“, beschreibt der Leiter der Chirurgie am St. Josef Krankenhaus Wien, Primarius Univ.-Prof. Dr. Johannes Zacherl.
Im Bereich Gynäkologie wiederum soll nach einer strukturieren Einführungsphase die Robotik insbesondere bei bestimmten Krebserkrankungen, komplexen Endometriose- und Myomoperationen sowie ausgewählten urogynäkologischen Beckenbodeneingriffen eingesetzt werden.
Mit dem da Vinci 5 dürfen übrigens nur Ärztinnen und Ärzte operieren, die eine mehrwöchige Einarbeitungszeit mit Simulationstrainings und abschließender Prüfung absolviert haben. Das Pflegepersonal im OP wird ebenfalls entsprechend geschult. Die ersten Operationen sind ab der zweiten Novemberhälfte geplant.
Operationssystem mit neuen Features
Neben einem 3D-Visionssystem mit besserer Farbgebung und Auflösung punktet der Da Vinci 5 auch mit einer ergonomischen Arztkonsole, die sich an die Körperformen der unterschiedlichen Operateur*innen anpasst. Für mehr Patient*innensicherheit soll die neue Force Feedback Technologie sorgen: Die Operateur*innen spüren direkt über die Handsteuerung der Konsole, wie viel Druck sie auf das Gewebe ausüben. „Dadurch kann man noch gewebeschonender operieren und ungewollte Gewebebeanspruchungen vermeiden“, so Chirurg Johannes Zacherl.
Eine neue Software und mehr Rechenleistung wiederum ermöglichen Fallbeobachtungen in Echtzeit, das Zuschalten von Expert*innen zu Operationen oder, unterstützt durch KI, auch die Analyse der durchgeführten Eingriffe.
So funktioniert ein OP-Roboter
Das Prinzip eines OP-Roboters ist einfach erklärt: Die Ärztin bzw. der Arzt sitzt an einer Konsole und steuert die vier Roboterarme. Über kleine Schnitte werden die Instrumente als Verlängerung der Roboterarme in den Körper der Patient*innen eingebracht. Ein Arm trägt eine Kamera, die Bilder in 3D liefert. Das Operationssystem übersetzt die Handbewegungen des Operierenden in präzise Bewegungen der Instrumente. Diese können im Gegensatz zu herkömmlichen laparoskopischen Instrumenten in alle Richtungen bewegt werden, ähnlich wie die menschliche Hand, wodurch man einen viel besseren Zugang zur Eingriffsstelle hat.
Die Ärzt*innen an der Konsole sehen das Operationsgebiet deutlich vergrößert und kontrastreicher und können so alle Gewebeschichten und -strukturen detailgenau wie unter einer Lupe beurteilen. Wichtig ist: „Die Operation wird weiterhin von einem Menschen gesteuert und durchgeführt – mit Unterstützung eines OP-Roboters, der mehr Präzision und schonenderes Operieren ermöglicht“, betont Schmidbauer.